Entstehung und Geschichte

Die Stadt Gütersloh entwickelte sich in den frühen 50er Jahren zu einer immer größer werdenden Industrie- und Handelsstadt.
Viele Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten hatten hier eine neue Heimat gefunden. Darunter waren sehr viele Katholiken, so daß die Mutterkirche St. Pankratius längst zu klein geworden und die Wege für viele Gläubige zu weit wurden.
Im Stadtteil Blankenhagen wurde bereits 1949 eine Baracke als Notkirche errichtet. Im Osten der Stadt wurde 1952 die Christkönigs-Kirche und im Süden ebenfalls 1952 die Liebfrauen-Kirche gebaut.
Im Westen der Stadt wurde 1954/1955 von der St. Pankratius-Gemeinde ein Wohnheim für Mädchen, die in Gütersloh Arbeit gefunden, aber keine Wohnung hatten, gebaut. Das damalige Mädchenwohnheim St. Hedwig ist heute Pfarr- und Jugendheim und zugleich Pfarrhaus und Wohnung der Schwestern.
Die ersten Gedanken an einen Kirchbau auch im Westen der Stadt entstanden bereits in dieser Zeit. Sogar an einen Namen für eine neue Kirche hatte man schon gedacht. Es sollte eine Heilig-Geist-Kirche werden.
Wir lesen in der Chronik der St. Pankratius-Gemeinde:
„Am 12.3.1957 finden sich 51 Mitglieder, die im Westen der Stadt wohnen, zusammen, um über die zu bildende Gemeinde zu sprechen. Ein Name darf wohl für alle Helfer stehen: Herr Hugo Reher. Er bemüht sich bereits seit etwa 1954 und sammelte mit einigen Helfern schon rund 4.500 DM. Heute stellten sich weitere 14 Personen zur Verfügung, um die Haussammlungen offiziell und auch entsprechend intensiv durchzuühren."
Herrn Hugo Reher verdankt die Heilig-Geist-Gemeinde sehr viel. Er ist der große „Anreger" gewesen als Mitglied des Kirchenvorstandes der St. Pankratius-Gemeinde. Auch im weiteren Werdegang der Gemeinde war er „treibende Kraft" in der Entwicklung.
Nun konnten weitere Schritte unternommen werden und so wurde am 30.7.1957 der Kirchbauverein Heilig-Geist gegründet. Die Sammler und Sammlerinnen der „ersten Stunde" haben keine Mühen gescheut. Jeden Monat besuchten sie ihre Familien und die Spendenfreudigkeit war sehr groß. Ende 1958 stand bereits ein Betrag von 44.752 DM zur Verfügung. Das war für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe.
In der Zwischenzeit war auch der Kirchenvorstand der St. Pankratius Gemeinde nicht untätig gewesen. Es wurden immer wieder neue Pläne entworfen. Nachdem man bis zum Ende der 50er Jahre das starke Wachstum der Stadt genauer beobachten konnte und rege Bauvorhaben auch in Pavenstädt in Angriff genommen wurden, entschied sich der Kirchenvorstand St. Pankratius für den Bau einer „mittelgroßen bis großen Kirche". Anläßlich einer Zusammenkunft des Kirchbauvereins und der interessierten zukünftigen Gemeindemitglieder konnte Herr Pfarrer Hofius berichten, daß auch das Generalvikariat in Paderborn eine Kostenzusage gegeben habe.
Nun konnte endlich mit dem Kirchbau begonnen werden. Der Kirchenvorstand St. Pankratius beauftragte damit den Architekten Fischer-Fürstenau aus Gütersloh.
Ende 1959 waren bereits 68.666 DM von Mitgliedern der neuen Heilig Geist-Gemeinde gespendet worden.
Im September 1960 wurden vom Kirchenvorstand St. Pankratius endgültig die mehrfach geänderten Pläne gutgeheißen.
Die wichtigsten Finanzierungsfragen waren ebenfalls geklärt.
So wurde am 4.3.1961 durch den Paderborner Domkapitular Prälat Henneke der Grundstein für die Heilig-Geist-Kirche gelegt. Es war ein großer Tag für die neue Gemeinde und viele waren bei der Grundsteinlegung dabei. Domkapitular Henneke überbrachte die Grüße und Wünsche des Erzbischofs Dr. Lorenz Jaeger aus Paderborn und dankte der Gemeinde, die durch ihren Opfergeist ein solch beachtliches Bauvorhaben mit ermögliche.
Herr Dechant Hofius wies in seiner Ansprache auf die sinnvolle Namensgebung „in einer Zeit des Ungeistes" hin. Die Bitte, daß sich die Gemeinde unter jenen Geist, der alles erneut, scharen möge, schloß er an.

Der Rohbau wurde sehr schnell fertig, so daß bereits am 6.6.1961 das Richtfest stattfand. Der Gesamtbau wurde bis zum Juni 1963 fertiggestellt. In den Wintermonaten 1962/1963 bis zur Einweihung der Kirche wurde bereits im Hedwigsheim jeden Sonntag eine Hl. Messe gefeiert. Dies war für viele, vor allem für die älteren Leute, eine Erleichterung, da sie nun nicht mehr den weiten Weg zur Pankratiuskirche machen mußten. Auch lernten sich die Gemeindemitglieder schon gut kennen und so gab es schon ein echtes Gemeindebewußtsein, bevor der Kirchbau beendet war.
Am 8.6.1963, dem Samstag nach dem Pfingstfest, war endlich der große Tag der Einweihung des neuen Gotteshauses gekommen.

Aus diesem Anlaß kam der Hochw. Herr Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger aus Paderborn nach Gütersloh.
Seine Festpredigt stellte er unter das Thema:
Brüder, das sollt ihr wissen: Soviel einer die Kirche liebt, soviel hat er vom Heiligen Geist.
(Dies waren die letzten Worte des in der Vorwoche verstorbenen Papstes Johannes XXIII. aus einer Rundfunk-Ansprache an die deutschen Katholiken zu Pfingsten.)
Die Reliquien im Hauptaltar sind vom hlg. Adeodatus-Deusdedit, d.h. von Gott geschenkt. Er war der 15. Abt von Monte Cassino in den Jahren 828 bis 834. Er starb als Märtyrer.
Die Glückwünsche der Stadt Gütersloh überbrachten Bürgermeister Brune und Stadtdirektor Dr. Wixforth. Der Bürgermeister sagte u.a., der Kirchbau füge sich harmonisch der Landschaft an und bereichere das Gesamtbild der Stadt.
So begann die Geschichte der Kirchengemeinde Heilig-Geist.
In den ersten Wochen und Monaten wurden die Hl. Messen von Priestern aus der St. Pankratiuskirche gefeiert, da noch kein eigener Seelsorger da war.
Im August 1963 kamen die Patres vom Hl. Geist aus Holland. Sie waren vom Erzbischof mit der Seelsorge in der Heilig-Geist-Gemeinde beauftragt worden. Die ersten Priester in der neuen Gemeinde waren Pater Martin v. Oorschot und Pater Welling.
Sie bemühten sich sehr, eine Gemeinde aufzubauen und versuchten vor allem durch viele Hausbesuche die Gemeindemitglieder kennenzulernen. Verschiedene Anlässe in den Familien (Taufe, Erstkommunion, Altengeburtstage, Trauerfälle) gaben dazu reichlich Gelegenheit.
Im Juni 1964 kamen dann die Schwestern der dienenden Liebe nach Gütersloh. Sie waren in den verschiedenen Bereichen tätig (Krankenpflege, Seelsorge usw.). Sie sind bis heute in einer Gemeinschaft von Schwestern hier wohnhaft und sehr rege tätig.
Im Juli 1967 wurde ein großes Fest gefeiert. Anlaß war das 25jährige Priesterjubiläum von Pater v. Oorschot.
Mit seinen Verwandten aus Holland, den Mitbrüdern aus dem Orden, die inzwischen in der Umgebung von Gütersloh in der Seelsorge tätig waren und zahlreichen Gemeindemitgliedern wurde ein feierliches Dankamt in der Heilig-Geist-Kirche gefeiert, zu dessen Gestaltung auch der neu gegründete Kirchenchor beitrug.
In der „Neuen Mühle" fand dann das erste „Gemeindefest Hl. Geist" statt. Viele haben, wie in den folgenden Jahren, zum Gelingen dieses Festes beigetragen.
Eine junge Gemeinde in einem Neubaugebiet hat natürlich auch viele Kinder. So wurde die Errichtung eines Kindergartens dringend notwendig. Da die Mittel hierzu noch nicht zur Verfügung standen, wurde im Jahre 1968 im Hedwigsheim ein Behelfskindergarten eingerichtet. Die Leitung übernahm Schwester Josefi. Schwester Felicitas war bei der Betreuung der Kinder behilflich.
Die Pläne zum Bau eines neuen Kindergartens wurden nicht aufgegeben, denn der Bedarf war groß. Im Herbst 1969 war dann soweit:
Die Gütersloher Zeitungen berichten am 30.10.1969:
„Der Bau des Kindergartens begann in dieser Woche."
Durch Schwierigkeiten, die in erster Linie auf den harten Winter zurückzuführen waren, konnte der Kindergarten erst mit Verspätung Anfang 1971 eingeweiht werden. Die symbolische Schlüsselübergabe vollzog der Architekt, Dipl.-Ing. Hans Blobner, an Pfarrvikar Pater M. v. Oorschot. Dieser gab den Schlüssel dann an die Kindergartenleiterin Schwester Josefi weiter.
Am 12. März 1969 wurde die Pfarrvikarie Heilig-Geist durch den Erzbischof von Paderborn, Lorenz Kardinal Jaeger, zu einer Gemeinde mit eigener Vermögensverwaltung erhoben.
Aus diesem Grunde mußte auch für die Heilig-Geist-Gemeinde ein Kirchenvorstand gewählt werden. Als Wahltag wurde der 22.6.1969 festgelegt.
Im Jahre 1972/1973 waren Umbau und Renovierung des Hedwigsheimes notwendig. Die Gemeindefeste, die jährlich am Sonntag nach Pfingsten gefeiert werden, trugen - wie manche andere regelmäßige Veranstaltungen -  dazu bei, das Gemeindebewußtsein zu stärken. Der Erlös war immer für einen besonderen Zweck bestimmt. Ab 1971 wurde für eine neue Orgel „gefeiert", gesammelt und gespendet. Der große Wunsch ging am Palmsonntag 1975 in Erfüllung. Die neue Orgel wurde eingeweiht. Bei dieser Gelegenheit sang, wie bei fast allen Festen der Gemeinde, der Kirchenchor unter Leitung von Giel Geerkens.
Am 27.6.1976 wurde Alfred Sperner, der als Meßdiener und Lektor während der ersten Jahre seit Bestehen der Heilig-Geist-Gemeinde vielen bekannt war, im Dom zu Würzburg von Bischof Josef Stangl zum Priester geweiht. Viele Gemeindemitglieder waren bei diesem großen Fest dabei. Am 10.7.1976 feierte der Neupriester in seiner Heimatkirche das erste Heilige Meßopfer und gab den Gemeindemitgliedern den Primizsegen. Es war ein großer und unvergessener Tag in der Heilig-Geist-Gemeinde.
Zum feierlichen Geläut fehlten der Heilig-Geist-Kirche immer noch zwei Glocken, für die in den Jahren ab 1976 fleißig gesammelt wurde. Die von der Gemeinde gewünschten Glocken wurden nach erforderlichen bautechnischen Veränderungen am Glockenturm, am 11.11.1979, dem Fest des Hl. Martin, von Dechant Humbert geweiht.
Die große Glocke erhielt den Namen des Hl. Martin, die kleinere Glocke wurde der Gottesmutter geweiht.
Leider konnte Pater Martin v. Oorschot diesen Tag nicht mehr miterleben. Am 1.2.1978 verstarb er ganz plötzlich und viel zu früh an einem Herzschlag. Fast 15 Jahre war er ein guter Seelsorger der Heilig-Geist-Gemeinde. Viele Gemeindemitglieder nahmen an der Beerdigung auf dem Klosterfriedhof in Gemert am 7.2.1978 teil. Das Requiem für den verstorbenen Seelsorger der Gemeinde in der Heilig-Geist-Kirche war am 5.2.1978. Aus Paderborn war der damalige Domkapitular und jetzige Weihbischof Hans-Leo Drewes gekommen.


Der Text wurde der Festschrift "25 Jahre Heilig-Geist-Gemeinde Gütersloh" entnommen / Foto: Archiv Heilig Geist