Pfarrer Matthias Laurentius Becker

Ohne sein Wirken wären in Gütersloh die St.-Pankratius-Kirche, Unter den Ulmen, und das 1985 abgerissene St.-Elisabeth-Hospital, Am Domhof, mit benachbarter Kapelle nicht gebaut worden. 1887 wurde der in Rösenbeck, Kreis Brilon, geborene Bauernsohn als Pfarrer nach Gütersloh berufen, dem 'evangelischen Rom', wie er es später bezeichnete. In seiner Ausbildung hatte er nicht nur philosophische und theologische Vorlesungen an der Universität Münster besucht, sondern er besaß auch hervorragende Kenntnisse in der Bau-, Bildhauer- und Malkunst und konnte die französische und englische Literatur in der Originalsprache lesen. Nach der Priesterweihe wurde er Vikar und Rektor der höheren Stadtschule in Rüthen. Hier beschaffte er auch die Mittel zum Ausbau und zur Ausstattung der St. Johanniskirche und erwarb sich als Seelsorger und Rektor große Anerkennung. In Gütersloh setzte er seine Fähigkeiten und Kenntnisse ein, um der katholischen Kirchengemeinde nach dem Ende des Simultaneums in der Alten Kirche (heute: Apostelkirche) im Jahr 1887 ein neues Zentrum des Gemeindelebens zu geben. 1890 wurden die neue St.-Pankratius-Kirche, 1894 das St.-Elisabeth-Hospital eingeweiht. Auf seine Initiative ging auch die Anstellung eines katholischen Religionslehrers am Evangelisch Stiftischen Gymnasium und die Gründung bzw. Neubelebung mehrerer Bruderschaften und Vereine zurück: Rosenkranzbruderschaft, Mäßigkeitsbruderschaft, Schutzengelverein, Afrikaverein, Albertus-Magnus-Verein, St.-Elisabeth-Verein, katholischer Gesellenverein, Verein vom hl. Karl Borromäus, Marianische Sodalität für Jünglinge und Männer. Er führte die Prozessionen innerhalb der Kirche und die Fronleichnamsprozession über die alte Rhedaer Landstraße und das 'Bultfeld' ein. Für seine Verdienste wurde ihm der Rote Adlerorden verliehen. Im Vorwort seiner 'Erinnerungsblätter (...) an den Wohltäter der katholischen Pfarrkirche zu Gütersloh' würdigte ihn der Heimatforscher und langjährige Leiter der Volksschule Kattenstroth, August Schätzlein, als einen 'außergewöhnlichen Mann sowohl an Wissenschaft, Frömmigkeit und Herzensgüte, wie an rastloser Tätigkeit und praktischen Sinn für alles Schöne, Gute, Edle, kurz: ein Talent in jeder Beziehung'.

Stephan Grimm, Archivar der Stadt Gütersloh
(Mit Genehmigung des Autors veröffentlicht)