Erste Krippenfahrt der Männer

Das war schon eine positive Überraschung: 51 Männer aus den Pastoralverbünden Mitte-West und Süd fanden sich zu der „Ersten Krippenfahrt der Männer“ am 11. Januar 2014 ein.

Um 13:00 Uhr startete ein großer Bus am Pfarrheim St. Pankratius, um an der zweiten Haltestelle, an der Bruder-Konrad-Kirche, weitere Mitfahrer an Bord zu nehmen.

Das erste Ziel der Fahrt war die Kirche St. Nikolaus in Diestedde. Hier war eine der ältesten Krippen in Westfalen zu besichtigen.
Auf Grund ihrer geschätzten 150 Jahre steht die Krippe unter Denkmalschutz. Wie der Kamillianermönch Johannes berichtete, wurden die Gliederpuppen von einem Holzschnitzermeister aus Beckum angefertigt. Viele Jahre war die Krippe dann in einem Raum der Vorgängerkirche eingelagert, der irgendwann zugemauert worden war. Auf Grund von Bauarbeiten wurde der Raum später fast zufällig entdeckt und der „Schatz“ geborgen. Verständlich, dass den Figuren neue Kleider angepasst werden mussten.
Aber auch neben der Krippe hat die Kirche Interessantes zu bieten, z.B. trägt der gekreuzigte Jesus an dem romanischen Triumphkreuz aus dem 11. Jahrhundert Schuhe, was es nur ausgesprochen selten gibt. Die Skulptur der schmerzhaften Maria stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Bald ging die Fahrt weiter in Richtung Liesborn. Hier war die ehem. Abteikirche „St. Cosmas und Damian“ das Ziel. Die sehr frei interpretierte „Westfälische Heimatkrippe“ wurde Anfang der 30er Jahre vom damaligen Pfarrer bei der Kunstwerkstatt Moormann in Wiedenbrück in Auftrag gegeben. Bis zum Tode des Pfarrers waren allerdings noch nicht alle Figuren fertig. Die Hl. Familie fehlte, und der neue Pfarrer hatte scheinbar wenig Interesse an der Fertigstellung. Hinzu kamen die schwierigen Zeiten, und die Inschrift über dem Stall – „Jehova Gott ist Mensch geboren“ – war ausgesprochen mutig, denn sie verband die jüdische mit der deutschen Bezeichnung für Gott! Irgendwann waren dann die Figuren von Jesus, Maria und Josef fertig, konnten aber von der Gemeinde nicht angekauft werden. Dies übernahm der Heimatverein, der seitdem die Figuren für die Krippenausstellung der Gemeinde als Dauerleihgabe überlässt. Auch dem 1938 gestorbenen Pfarrer, der die Krippe beauftragt hatte, ist ein Andenken gesetzt: er befindet sich in der Kutsche, die in dem Ensemble aufgestellt ist.

Das dritte und letzte Ziel des Nachmittags war die Kirche der Hl. Ida in Herzfeld. Dieses beeindruckende Bauwerk enthält in der Krypta einen goldenen Schrein aus dem Jahre 1882, in dem die Gebeine der Hl. Ida, die zur Zeit Karls des Großen gelebt hat, aufbewahrt werden. Unter dem Schrein steht der steinerne Sarg, der ihre sterblichen Überreste nach ihrem Tod im Jahre 825 enthielt. Im Jahr 980 wurden die Gebeine in einen kostbaren Schrein gelegt.
Aber zur Krippe: Auch hier handelt es sich eher um eine Heimatkrippe mit einigen Besonderheiten: eine Eule schaut aus dem Dachfenster, Hühner tummeln sich auf dem Boden, eine Bäuerin im karierten Kleid hat einen Korb mit Brot, Butter, Wurst und Obst dabei. Jesus sitzt vor Maria zum Empfang der Hl. drei Könige. Die Gliederpuppen wurden erstellt vom Bruder der Haushälterin des derzeitigen Pfarrers in den 1950er Jahren.

Es war eine sehr interessante Fahrt, die im Gütersloher Brauhaus bei Kaffee und Pickert einen angemessenen Abschluss fand. Der Dank der Teilnehmer geht an Herrn Nunnemann und Vikar Henke, die mit Einsatz und guter Vorplanung informative und rundum gelungene Besuche in den Nachbargemeinden ermöglichten.

Alle Beteiligten waren sich einig: Darf gern im nächsten Jahr wiederholt werden!