Verschoben wegen Pandemie

Pilgerfahrt mit dem Besuch der Passionsspiele Oberammergau 

Das Gelübte, alle zehn Jahre die Tragödie vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi schauspielerisch nachzustellen, stammt aus dem Jahr 1633. Die Pest hatte den Ort Oberammergau heimgesucht. Dorfbewohner versprachen – sollte niemand mehr an dieser schrecklichen Krankheit sterben – die Passion in regelmäßigen Abständen aufzuführen, so in 2020 zum 42. Mal.

Über 40 Mitglieder aus dem Pastoralen Raum Gütersloh hatten schon ihre Eintrittskarten im Gepäck. Im Rahmen einer mehrtägigen Pilgerfahrt wollten sie im Juni diesen Jahres auch das 5 ½ stündige Mysterienspiel in dem kleinen Ort im Landkreis Garmisch-Partenkirchen erleben. 

Nun zwang das Virus  Covid 19 die Entscheidungsträger der Spiele zu einer Absage. Nicht generell aufgehoben seien die Aufführungen, sondern aus besagtem Anlass auf 2022 verschoben, lautete die Nachricht. 

Wie schon vor zehn Jahren war auch in diesem Jahr Frederik Mayet als einer der zwei Jesus-Darsteller verpflichtet worden. Der 37-jährige hätte diese Rolle 2020 zum zweiten Mal innegehabt. Die Frage, welche Wirkung die Besetzung auf die Akteure hat, stellten sich schon 2010 die Mitglieder aus den katholischen Pfarreien St. Pankratius und Heilig Geist, die Frederik Mayet auf ihrer Pilgerreise als Jesus-Darsteller in Oberammergau erleben durften.

Mit teils gemischten Gefühlen und unterschiedlichen Erwartungshaltungen hatte sich die 43-köpfige Gruppe 2010 auf den Weg gemacht. Anschließend gab die Tatsache, dass Friedrich Mayet sich mit überwältigender Intensivität, emotional wie gefühlsmäßig, auf seine Rolle als Jesus eingelassen hatte, viel „Stoff“ für Diskussionen innerhalb der Gruppe. In einem Briefwechsel, den Pfarrer Quante  später mit  Mayet führte, beantwortete er die Frage, woher ein Mensch die Kraft nehme, zwei oder dreimal in der Woche die Person Jesu Christi so faszinierend darzustellen, wie folgt: „Es ist das Dorf, das hinter einem steht. Es ist eine große Ehre, diese Rolle spielen zu dürfen und natürlich auch die Reaktionen vom Publikum, der Presse und Freunden. Wo sonst hat man die Möglichkeit sich so intensiv mit seinem Glauben, mit Jesus so lange und ausdauernd auseinanderzusetzen? Vielleicht im Theologiestudium?! Ich aber habe BWL studiert.“ Und weiter: „Auch wenn man mal einen schlechten Tag hatte und dann auf der Bühne stand und man 5.000 Besucher im Zuschauerraum sah und 500 Oberammergauer „Heil dir“ zu Beginn sangen, war man wieder voll motiviert. Natürlich war man am Ende des Tages nach Abendmahl, Ölberg, Gefangenahme, Verhören, Geißelung, Kreuzweg, Kreuzigung und Auferstehung immer sehr erschöpft, körperlich wie emotional. Aber ich habe immer große Freude daran gehabt.“ 

Nun bleibt nur zu hoffen, dass auch die Pilgergruppe 2022 in den Genuss dieses überwältigenden Erlebnisses kommt.

 

Gütersloh, den 28. Mai 2020
Marianne Nunnemann

 

Fotos: 

  1. Pilgergruppe 2010 nach der Rückkehr von den Passionsspielen aus Oberammergau
  2. Schwester Placid – vielen bekannt aus dem St. Elisabeth Hostpital,  heute lebt sie wieder in Indien – mit Maria Unger bei einem geselligen Abend während der Pilgerfahrt.