16. Sonntag im Jahreskreis


Hl. Geist Sa. 18.00 h + St. Pankratius 11.00 h - (Mk 6,30-34)

Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen
(MK 6,34)

Liebe Schwestern und Brüder,

ich vermute, der Evangelist Markus würde das heute auch so schreiben, wenn Jesus in die vom Hochwasser zerstörten Gebiete käme. Das Schicksal
der Menschen rührt ihn zu jeder Zeit an. Uns auch? Sind wir mit unseren Gebeten und Gedanken bei den Geschädigten und Getöteten? Oder freuen wir uns, dass es uns hier in Ostwestfalen nicht so schwer getroffen hat. 

Natürlich bin ich dankbar, dass wir keine Opfer zu beklagen haben. Aber wenn ich in die Eifel zu einem Freund schaue, dessen Haus fast bis zum Obergeschoss vollgelaufen ist oder Pastor Salzmanns Berichte aus seiner Heimat Hagen höre, dann ist das alles nicht so ganz weit weg.
Von daher werden wir die Kollekte von diesem Wochenende als spontane Hilfe nach Hagen überweisen.

Schwestern und Brüder, ich wäre gerne bei Jesus in die Lehre gegangen, um zu erfahren, wie er sich durch die Menschen berühren ließ.

Bei Jesus finden sie etwas, was ihnen sonst niemand geben kann. Wenn er von Gott spricht, ihnen in ihrer Sprache erzählt, wer Gott ist, dann berührt
das die Menschen. Gott wird für sie erlebbar, weit mehr als sie das von von ihren Rabbinern kennen. Der Einzelne, die Einzelne spürt auf einmal, dass Gott wirklich etwas mit seinem, ihrem Leben zu tun hat. Jesus lässt alles gut werden. Er macht die Last des Lebens leichter, verzeiht Schuld,
heilt von Krankheiten. Und auch wenn Jesus Forderungen stellt, wie man leben und handeln soll, spüren die Menschen: ja, das ist der Weg zu wirklichem Frieden. Schwestern und Brüder, ich wäre so gerne dabei gewesen und hätte erlebt, wie Jesus mit Menschen umgeht.

Markus wird auf jeden Fall nicht müde zu betonen, wie viel Jesus den Menschen gegeben hat. Um ihn zu sehen, nehmen die Leute weite Wege auf sich; wenn er sich zurückzieht, suchen sie ihn geradezu verzweifelt. Und Jesus ist bewegt. Selten nur erwähnt der Evangelist Markus die Gefühle Jesu. Hier tut er es. Er hat Mitleid mit den Menschen, ihre Not rührt ihn. 
Die Not der Menschen in der Eifel und um Hagen rührt ihn ebenfalls an.

Ihnen will er durch uns zur Seite stehen. Schauen wir auf die Jünger Jesu.

Nach ihrem anstrengenden Einsatz hatten sie sich so auf eine Verschnaufpause gefreut. Es hätte ihnen so gut getan, eine Weile mit Jesus allein zu sein. In seiner Nähe hätten sie aufatmen und sich wieder sammeln können. 

Auch die Jünger brauchen Jesus. Sie selbst können den Menschen nicht das geben, was Jesus ihnen gibt. Jesus hatte sie losgeschickt. Sie sollten den Menschen vermitteln: Gott macht alles gut! Die Jünger geben das weiter, was sie selbst empfangen haben; erzählen von Jesus und verweisen auf ihn. 

An die heutige Szene schließt sich die Perikope von der Brotvermehrung. In ihr wird deutlich, was der Part der Jünger ist. Sie sind bei Jesus, hören auf
seine Anweisungen. Das Entscheidende tut Jesus. Er ist die Fülle; er macht, dass alle satt und erfüllt werden – die Jünger geben diese Fülle weiter.

Liebe Gemeinde, Jesus will sich auch heute Menschen zuwenden – und er tut es, auch durch uns. Durch den liebevollen und aufmerksamen Blick, den
wir füreinander haben. Durch die Zeit, die wir uns füreinander nehmen.

Durch uns wird Christus heute lebendig. Das kann manchmal den vollen Einsatz fordern. Dabei gilt es jedoch im Bewusstsein zu haben: das Entscheidende muss nicht ich vollbringen. Aber ich, wir alle sind aufgefordert, für seine Botschaft Zeugnis zu geben. Seine Botschaft durch uns aufleben zu lassen, auch und gerade jetzt besonders durch einsolidarisches Leben. Wo uns das gelingt, werden Menschen durch unser Zeugnis vielleicht zum Glauben finden. Ich vertraue darauf!

Amen.